Der Tango hat sowohl als Musikrichtung wie auch als Tanz von Argentinien und Uruguay als die ganze Welt erobert. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde der Tango vor allem in Deutschland, Russland, Finnland und der Türkei besonders beliebt. Ein Land, das sich aber den Tango auf ganz besondere Weise zu Eigen gemacht hat, ist Japan. Und das rein zufällig - und auf kuriose Weise.
Im Jahre 1929 reiste der Baron Tsunayoshi Megata, genannt "Tsunami", ein Angehöriger des japanischen Kaiserhofs, nach Paris, um sich dort einer Schönheitsoperation an der Nase zu unterziehen. 6 Jahre blieb Baron Megata in Paris und besuchte dort gerne das Cabaret El Garrón, wo der argentinische Komponist Manuel Pizzaro mit seinem Orchester zu spielen pflegte. Megara lernte Tango tanzen, er wurde sogar zu einem herausragenden Tänzer. Bei seiner Rückkehr nach Japan brachte er französische Schallplatten vom Tango Genaro Orchestra, dem Orchestre Argentin Manuel Pizarro, und verschiedenen französischen Orchestren mit und begann umgehend, die japanische Aristokratie in die Geheimnisse des Valse, Foxtrott und des Tangos einzuweihen.
Besonders der Tango hatte es den Japanern angetan, so dass nach kurzer Zeit nur noch mit großer Begeisterung Tango getanzt wurde. Zu diesem Zeitpunkt nahmen die Japaner, die auf den Schallplatten nur französische Schrift lasen, noch an, der Tango wäre ein traditionell französischer Tanz, ein Irrtum, der sich erst durch die ersten Schallplattenimporte aufklärte, die auf Bemühen des Barons "Tsunami" schließlich ermöglicht wurden.
Anfangs erreichten nur die Veröffentlichungen des Orchesta Tipica der Schallplattenfirma Victor das Land der aufgehenden Sonne. Der Hartnäckigkeit Megatas ist es aber zu verdanken, dass Japan bald monatlich mit den allerneuesten Veröffentlichungen argentinischer Tangotruppen versorgt wurde. Baron Megata gründete auch eine Tangoschule in Tokyo und veröffentlichte sogar ein viel beachtetes Werk: "Die Methodologie des Tangotanzes".
Anfang der 1960er Jahre war das Tangofieber in ganz Japan ausgebrochen. Berühmte Tangoorchester machten auf ihren Tourneen in Japan Halt und wurden begeistert empfangen. Seit 1980 werden regelmäßig große Tangoshows veranstaltet, und bei den jährlich stattfindenden asiatischen Meisterschaften im Bühnen- und Salontango würde dem alten Baron "Tsunami" wohl das Herz aufgehen ob seiner Landsleute, die sein einzigartiges Erbe mit solchem Talent in Ehren halten.
